Traurige Telefonstreiche und berührende Bewegungslosigkeit

Woche 13/2008


"Irgendwo zwischen Andreas Dresen und der Berliner Schule" verortet Alexandra Wach im filmdienst DIE ANRUFERIN, den neuen Film von NORTHERN-STAR-Regisseur Felix Randau.
Die Hauptfigur gibt sich Wildfremden gegenüber am Telefon als krebskrankes Kind oder aber als die um ein Kind trauernde Mutter aus und erfreut sich diebisch an den Folgen dieser Anrufe. Statt zu erwartender Eskalation gibt es einen hoffnungsvollen Aus- und Aufbruch, der von einer weiteren Frauenfigur, gespielt von Esther Schweins (!), ausgelöst wird. Eine nüchterne Kamera und ein "kluges, rundum stimmiges Drehbuch" wird uns versprochen. Könnte ganz gut sein. Läuft im Studio, allerdings nur um 18.00 Uhr, am Mittwoch um 17.00 Uhr.


Ein Mann hat überraschend eine Schlaganfall und kann fortan nur noch ein Auge bewegen, bei vollem Bewusstsein. Mühselig diktiert er mittels Lidbewegungen ein Buch über seine Krankheit und stirbt dann drei Tage nach Erscheinen. So weit so schrecklich. Aber warum nur muss man daraus einen Film machen? Der Maler und notorische Biopic-Regisseur (BASQUIAT, BEFORE NIGHT FALLS) Julian Schnabel lässt alles nochmal nachspielen, über weite Strecken mit subjektiver Kamera und Stimme aus dem Off, die einzige Lösung bei einem dermaßen unfilmischen Stoff. Die Kritiker sind wieder alle sehr angetan, ja in der Regel so berührt, dass sie in ihren Texten über den Leben und den Tod sinnieren und scheinbar ganz vergessen, dass wir es hier nur mit einem Film zu tun haben. Vielleicht hat es damit zu tun, dass das reale Vorbild, bevor es so plötzlich herausgerissen wurde, ein ganz ähnliches Leben führte wie die Feuilletonisten: als Chefredakteur einer französischen Frauenzeitschrift. SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE ist ein Film für Freunde des gepflegten Grusels und läuft im Zeise, im Passage und im Abaton.


JUMPER ist "unlogisch" und "ermüdend", meint Mike Bleifuß, nein Beilfuß im filmdienst und wünscht sich auch die Gabe der "Teleportation", er könnte sich dann wie die Protagonisten des Films augenblicklich ganz woanders hinbeamen, weit weg vom unerquicklichen Filmerlebnis. Scheint ein Standard-Gut-gegen-Böse-Actionreißer im Indiemäntelchen zu sein. Läuft in den Multiplexen.


VIELLEICHT, VIELLEICHT AUCH NICHT ist eine weitere Rom-Com, eine romantische Komödie von der Stange. Papa trennt sich von Mama, oder vielleicht doch nicht? Läuft in den Multiplexen.



Auch neu ist ein deutscher Debütfilm über eine 17-jährige, die nicht weiß, was sie will: MEER IS NICH. Vielleicht jedenfalls will sie Schlagzeug spielen und darum gibt´s auch einige Musik: "Ihre Kompositionen, gemischt mit anderen Soundtracks aus der deutschen Musikszene, spiegeln das Musikgefühl der jungen Generation adäquat wieder.", steht im filmdienst. Da bleibe ich doch lieber wech. Läuft im Studio.



Außerdem und weiterhin:



DAS JÜNGSTE GEWITTER im 3001 (OmU) und im Zeise. Den Vorgänger SONGS FROM THE SECOND FLOOR zeigt das 3001 (OmU) in der Spätvorstellung.

NO COUNTRY FOR OLD MEN im Abaton OmU, außerdem im großen Passage mit der knarzigen Klappleinwand, im Blankeneser, im Zeise, im UCI Mundsburg, im UCI Wandsbek und ein paarmal im Magazin.

JELLYFISH nur noch ein paarmal nachmittags im Abaton (OmU), der späteste Termin ist am Montag um 18.15 Uhr.

I´M NOT THERE jetzt wieder in Spätvorstellungen im Abaton OmU, in der deutschen Fassung im Zeise.

THERE WILL BE BLOOD nur noch nachmittags im Passage.

13 TZAMETI im 3001.

DARJEELING LIMITED nachmittags im 3001.

MICHAEL CLAYTON im UCI Othmarschen, außerdem in Spätvorstellungen im Cinemaxx und im UCI Mundsburg.

DER KRIEG DES CHARLIE WILSON einige Male im Magazin.

IM TAL VON ELAH im Blankeneser.

SWEENEY TODD nur noch in Spätvorstellungen im Cinemaxx und im UCI Othmarschen.



Filme, die wir zum Glück nicht gesehen haben, Teil 2:




Umsonst und zuhause:


Am Freitag zeigt arte einen sehr düsteren Film von Asia Argento: DAS HERZ IST EINE HINTERLISTIGE PERSON, ausnahmsweise sogar in OmU, auch bei arte mittlerweile eine große Ausnahme, um 23.20 Uhr. Ein Junge, religiöse Fanatiker, Drogen, sexueller Missbrauch: ziemlich harter Stoff, soll gelungen umgesetzt sein. Herr Vega von drüben meint allerdings: "Asia Argentos Film ist eine willkürliche, geschmacklose Farb- und Filternummer mit möglichst harter Schale. Absolut nichts sagend und nervtötend."
ShowView 6346480


In der Nacht von Sonntag auf Montag auf N3 um 00.15 Uhr: VIRGIN SUICIDES für alle, die den Film mit Kirsten Dunst, von Sofia Coppola und mit der Musik von Air noch nicht kennen. Unter dem TV-Titel "Das Geheimnis ihres Todes", ShowView 6496851


Von Montag auf Dienstag um 00.15 Uhr auf arte dann ein legendärer Stummfilm aus Brasilien:
LIMIT, die Geschichte von drei Überlebenden eines Schiffbruches. ShowView 8461081


Am Dienstag auf 3Sat um 23.00 Uhr: FERIEN von Thomas Arslan. Die Ferien werden in der Uckermark verbracht, da hocken 4 Generationen einer Familie zusammen. Eine sehr nüchterne Versuchsanordnung, die gemischte Reaktionen hervorrief. Der Film ging 2007 in den Kinos ziemlich unter, jetzt haben wir noch einmal Gelegenheit, uns selbst ein Bild zu machen. ShowView 1088178

Ebenfalls am Dienstag auf N3 um 23.00 Uhr Almodovars SPRICH MIT IHR von 2002, anschließend um 00.45 der Nachfolger LA MALA EDUCACION. ShowView 8433178 / 5544918


In deutscher Erstaufführung zeigt arte am Mittwoch um 22.45 Uhr BLUT von Lisandro Alonso, aus Argentinien. Ein ruhiger Film über die Flussreise eines Ex-Sträflings zu seinen Wurzeln. Soll sehr eindrucksvoll sein, wenn man sich einmal auf das Erzähltempo eingelassen hat. ShowView 606647



Dies und das:



Dieses verstörende Portrait von Homer stammt von Pixeloo, via Cartoon Brew.



Kinos, Folge 20: Im UCI an der Autobahnauffahrt Othmarschen

Kommentare:

  1. Showview-Nummern - welch ein großartiger Service! Hättest Du das schon letzte Woche eingeführt, müsste ich mir heute vielleicht keine Sorgen darum machen, ob ich einen passenden VC-Film auf Lager habe.
    Zu der "Anruferin": Den Film habe ich obskurerweise schon vor etwa einem Jahr in einer Testvorführung gesehen, und ich rate eher vom Kinobesuch ab. Überwiegend angweilig und schlecht gespielt, bestenfalls auf dem Niveau von "Milchwald".
    Scheint ja überhaupt eine Woche zum Verschnaufen bzw. Aufarbeiten der interessanten Filme der letzten Zeit zu sein. Habe jetzt immerhin "I'm Not There" (wie erwartet großartig, ansonsten ist zu diesem Film wohl schon alles gesagt worden) und "Juno" (Kommentar siehe im betreffenden Eintrag) gesehen. Mal sehen, was ich vor meiner Abreise in einer Woche noch schaffe.
    Und auf dem UCI-Foto - ist das Celia?

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  2. Danke für die Warnung vor der "Anruferin". Also gar nix diese Woche.

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