Kränkelnde Upper Class und Blow Up in doof

Woche 47/2008



Die Neustarts:




WIEDERSEHEN IN BRIDESHEAD ist ein Gesellschaftsroman von Evelyn Waugh, der Anfang der Achtziger mit Jeremy Irons als Mehrteiler fürs Fernsehen adaptiert wurde. Da hat es eine geraffte Neuverfilmung natürlich recht schwer, wird doch nicht nur Waughs Vorlage, sondern auch die TV-Version, zumindest in der englischsprachigen Welt, sehr verehrt (imdb-Nutzerbewertung: 8,9). Der Film mit Matthew Goode, Ben Whishaw, Hayley Attwell und Emma Thompson schlägt sich wohl aber recht gut, das Tomatometer zeigt immerhin 64% an. Natürlich ist es ein gediegenes Ausstattungsstück, ausgestellt wird das gefährdete Oberklassendasein bei den Briten in den Dreißigern und das muss man sich anschauen mögen. Wenn die Hürde aber mal genommen ist, kann man sich auf ein gelungenes Stück opulente Unterhaltung freuen.
Ach ja, worum geht´s? Ein Mann verliebt sich und gegen diese Liebe bilden sich Widerstände, ausgelöst durch unterschiedliche Klassenzugehörigkeit und Religion.
WIEDERSEHEN IN BRIDESHEAD läuft im Holi und im Blankeneser.



Außerdem neu:




Thema: Eine Midlife-Crisis, die Authentizität von Bildern, das Leben und Lieben sowieso und außerdem der Tod in Gestalt von Dennis Hopper. Lou Reed tritt auch einmal auf, im Soundtrack sind exklusive Songs von unter anderem Nick Cave zu hören und ansonsten so alles mögliche mit Credibility von Velvet Underground bis Portishead, die Hauptrolle spielt ein erfolgreicher deutscher Sänger in seinem Kinodebüt (siehe Kommentare) und gedreht wurde in einer sehr pittoresken Stadt in Südeuropa. Wenn ihr es nicht ohnehin schon mitbekommen hättet, ihr wüsstet trotzdem, dass es sich nur um einen neuen Film von Wim Wenders handeln kann.
PALERMO SHOOTING ist so peinlich wie alles andere, was Wenders seit dem unerträglich prätentiösen HIMMEL ÜBER BERLIN fabriziert hat, nur dass diesmal das Feuilleton mal nicht applaudiert, sondern gnadenlos auf den nackten Kaiser zeigt. Liegt wahrscheinlich an der grotesken Entscheidung, die Hauptrolle, den tiefsinnigen Fotografen in Lebenskrise, natürlich das Alter Ego von Wenders selber, ausgerechnet mit der toten Hose Campino zu besetzen. Das hält auch der Gutwilligste beim besten Willen nicht mehr aus, auch wenn er den einzigen deutschen Regisseur, der seit Jahren noch regelmäßig auf A-Festivals eingeladen wird, eigentlich nicht demontieren will. Ich hoffe, dass an meinem Bild von Palermo dieser Film nicht als Makel haften bleibt, eine Beschädigung, wie sie der Möchtegern-Antonioni in jedem Fall seinem eigenen Werk der Siebziger Jahre zufügt. Mit jedem Film, den der Mann meint, noch drehen zu müssen, zweifelt man mehr an der positiven Einschätzung solcher Filme wie ALICE IN DEN STÄDTEN. Schimmert da vielleicht auch schon überall Pose, Prätention und Peinlichkeit durch?
Viele Zuschauer scheint übrigens trotz Campino keiner zu erwarten: Bei uns in der Stadt startet der Film mit einer einzigen Kopie im Abaton und da noch nicht mal im großen Saal.




Und: Der Versuch, einem Action-Film für die Multiplexe die Komplexität von Filmen wie SYRIANA zu verleihen, ist offenbar danebengegangen. DER MANN, DER NIEMALS LEBTE (Originaltitel: "Body Of Lies", beide Titel gleichermaßen Banane, oder?) mit Leonardo DiCaprio und Russel Crowe erzählt eigentlich nur die Geschichte einer gewöhnlichen Katz-und-Maus-Jagd im Spionagegewand durch zahlreiche Länder, unter anderem im Nahen Osten und wurde durch allerlei technische Mätzchen und eine spielerische Erzählweise ein wenig aufgepeppt. Fiel in den USA an der Kasse wie bei der Kritik durch, ist vermutlich aber ganz gut zu gucken, wenn man nicht zu hohe Erwartungen stellt, nur weil Ridley Scott Regie führte. Und dazu besteht angesichts dessen sehr durchwachsener Filmografie eigentlich sowieso kein Anlass. DER MANN, DER NIEMALS LEBTE läuft in fast allen Multiplexen und im Streits OF.




Und: Böse Buben klopfen an die Tür des einsamen Hauses und er geht erst mal Zigaretten holen und lässt sie mit den Psychopaten allein. Und dann folgt in THE STRANGERS alles, was man so erwartet und das wird wohl noch nicht einmal routiniert, sondern holprig und fehlerhaft abgespult. Jörg Gerle zieht im filmdienst den Verleich zum "meisterhaften" ILS, ein französischer Thriller, der genau die gleiche Geschichte erzählt, nur dabei "alle Unzulänglichkeiten vermeidet". ILS lief nicht bei uns im Kino, wurde aber im letzten Jahr auf DVD veröffentlicht. THE STRANGERS läuft in den UCI-Multiplexen und im Cinemaxx Harburg.




Und: Eine Kumpelkomödie, in der die Kumpel mal weiblich sind, das ungleiche Paar wird gespielt von Tina Fey und Amy Poehler, beide bekannt aus Saturday Night Live. BABY MAMA heißt der Film und die Auseinandersetzungen zwischen einer Leihmutter und deren Auftraggeberin, die es zusammen in einer Wohnung aushalten müssen, ist die Grundlage für die Scherze. Wurde wohl ganz passabel ausgeführt, wenn auch bar jeder Überraschung. BABY MAMA läuft im UCI Othmarschen.




Und: NOVEMBERKIND, eine schwer emotionale Geschichte um eine junge Frau in der DDR, die den Geheimnissen um ihre Herkunft nachspürt. Ausgelöst wird das durch einen "Professor", gespielt von Ulrich Matthes und in der Vorgeschichte spielt ein russischer Deserteur eine Rolle. Ein Debüt, wohl immerhin über dem tristen Niveau, das hierzulande üblich ist, vor allem wohl dank Anna Maria Mühe, die mit einer Doppelrolle den Film dominiert. NOVEMBERKIND läuft im Passage und im Koralle.




Und: Ich hab den Überblick verloren, keine Ahnung die wievielte Dalai-Lama-Doku das dieses Jahr ist. Unglaublich, dass das ganze Zeugs es sogar ins Kino schafft. Diesmal werden zwischen Aufnahmen mit dem wiedergeborenen Lachsack praktizierende Buddhisten in Deutschland gezeigt. Das Abaton kümmert sich um das Esopublikum mit Hingabe und findet auch für BUDDHISTISCHE STILLE noch einen Platz im Programm. Wo bleiben die Papst-Dokus? gibt´s die nur nicht, weil Ratzinger nicht jeden Scheiß mitmacht? Unwahrscheinlich, schließlich hat er sich ja sogar mit Kai Diekmann und "Volksbibel" fotografieren lassen. "Katholische Stille" will wohl einfach keiner sehen.




Und: Eine weitere Doku läuft an einem einzigen Abend, am Freitag, im 3001 in Anwesenheit des Regisseurs Max Plettau. Es handelt sich um einen Hochschulabschlussfilm über einen deutschen Boxer und heißt COMEBACK. Soll ganz ohne Gequatsche aus dem Off und ohne Interviews aus-, dafür seinem Objekt aber sehr nahekommen und hat folgerichtig schon mehrere Preise gewonnen.




Und: Eine putzige Doku über Erdmännchen, kindgerecht aufbereitet. Kindgerecht benutze ich hier als Schimpfwort, es soll eine Erzählweise beschreiben, die die Zuschauer für dumm verkauft. In WÄCHTER DER WÜSTE haben die Tierchen wieder alle Namen und sind mindestens so menschlich wie Donald Duck und dazu verstellt Rufus Beck, die Hörbuchcholera vor allem für das junge Publikum, der auch schon den "kleinen Nick" ruiniert hat, seine Stimme und lässt die einzelnen Mitglieder der Tierfamilie so selbst zu Wort kommen. Musikalische Geschmacklosigkeiten sind sicher auch zu erwarten. Schade um die schönen Tieraufnahmen...
WÄCHTER DER WÜSTE läuft im Cinemaxx und in den UCI-Multiplexen.




Und: Ein wohl ausgesprochen langweiliger Action-Film mit Mark Wahlberg, mit einigen Film-Noir-Anleihen versehen und auf einem Computerspiel beruhend. MAX PAYNE läuft in sämtlichen Multiplexen.




Und: Eine weiteres Beispiel für türkischen Humor, die Komödie OSMANLI CUMHURIYETI. Erzählt davon, wie die Gegenwart aussehen könnte, wenn in der Vergangenheit etwas Entscheidendes anders verlaufen wäre. Diesmal geht es mal nicht um Hitler, der wahlweise noch immer an der Macht ist (Harris) oder aber nie geboren wurde (Fry), sondern um eine Türkei ohne Atatürk. Die Stoßrichtung des satirisch gemeinten Klamauks geht dabei laut luzart vor allem gegen den Rest der Welt, zu sehen sind metzelnde Amis und fiese, heuchlerische EU-Vertreter, angeblich inklusive einer Günter-Verheugen-Karikatur. Scheint ein propagandistisches nationalistisches Machwerk zu sein, das im Schafsfell daherkommt. OSMANLI CUMHURIYETI ("Die Osmanische Republik") läuft im UCI Wandsbek. Mit Untertiteln, falls auch Zuschauer, die kein türkisch verstehen, sich in den Film verirren.



Wöchentliche Provinzialitätsmessung:

Anderswo startet diese Woche außerdem eine Doku über fußballspielende Türkinnen in Berlin: ICH GEHE JETZT REIN. Es laufen bei uns also immerhin 92% der Filme an. In Berlin sind sie, wie immer, alle zu sehen.



Weiterhin:




THE CHASER im 3001. Letzte Woche, letzte Gelegenheit den höchst unterhaltsamen Thriller zu sehen, der mit allerhand Überraschungen in einem scheinbar vorhersehbaren Plot aufwartet. Sehr spannend, sehr lustig, nicht zu blutig.

RUMBA ein letztes Mal am Freitag, um 15.00 Uhr, im Abaton.

HELLBOY II - DIE GOLDENE ARMEE nur noch spät im Cinemaxx und im UCI Othmarschen.

BURN AFTER READING im Abaton OmU, außerdem im Magazin, im Cinemaxx, im Cinemaxx Wandsbek und im UCI Othmarschen..

WALTZ WITH BASHIR im 3001 OmU, außerdem im Abaton und im Zeise.

LET´S MAKE MONEY im Abaton und im Zeise OmU, außerdem im Alabama und im UCI Mundsburg.

NEULICH IN BELGIEN im Alabama.

WALL-E im Elbe und im Zeise, außerdem in fast allen Multiplexen, aber überall nur nachmittags.



Außer der Reihe:



Wenn mal kein Klassiker radikal neuinterpretiert wird, vergeht sich das Theater mangels sonstiger erfolgsversprechender Stücke in den letzten Jahren gerne am Kino. Diese Woche hat die beschämende Praxis mal etwas Gutes, ist die Bühnenfassung von HAPPINESS am Thalia doch Anlass für das Abaton, am Montag den sehr bösen und komischen Film von Todd Solondz noch einmal zu zeigen. Mit dem unvergesslichen Auftritt von Philip Seymour Hoffmann in seiner ekeligsten Rolle:

Wer tatsächlich Interesse an der Theaterversion haben sollte, zahlt bei Vorlage seiner Eintrittskarte aus dem Abaton übrigens nur die Hälfte. Das Filmplakat stammt vom wunderbaren Zeichner (und Autoren) Daniel Clowes.

Das Metropolis setzt das Cinefest mit Filmen aus den Vierzigern fort, außerdem laufen weitere neue türkische Filme, jenseits des fiesen Mainstream, der auch bei uns in die Multiplexe schwappt.



Donald E. Westlake, auf meine Frage nach seinem Lieblingsfilm:

"DIE SPUR DES FALKEN. Alt, aber richtig gut. Bis heute ungeschlagen."

Keine überraschende Aussage, John Hustons Adaption des "Malteser Falken" von Dashiell Hammett gilt nicht nur als stilprägender Film Noir, sondern schlicht als bester Detektivfilm aller Zeiten. Bogart ist fantastisch als Sam Spade und seine Mitstreiter, unter anderem Peter Lorre, sind auch allesamt alles andere als schlecht. Tonfall und Plot der Vorlage wurden selten überzeugend in das Bildermedium übertragen. "Dekaden später, versuchen Filmemacher immer noch aus seinem Schatten zu kriechen", schreibt Kevin Burton Smith über den Film.
Wer ihn nicht als einen solchen Meilenstein in Erinnerung hat, kennt vermutlich nur die deutsche Sechziger-Jahre-Synchronfassung aus dem Fernsehen, für die nicht nur, wie damals üblich, die knackigen One-Liner in unlustige Blödelsprüche verwandelt wurden, sondern das Ganze seltsamerweise auch noch mit Swingmusik unterlegt wurde. Einen kurzen direkten Vergleich einer Szene in beiden Fassungen hat Peter Noster mal ins Netz gestellt.
Wie schön, dass es heutzutage DVDs gibt.


Donald E. Westlake ist bekannter unter seinem Pseudonym Richard Stark, der Name, unter dem er die Romanreihe um den vornamenlosen Kriminellen Parker schreibt, deren erster Band bereits 1962 erschienen ist. Westlake gilt als einer der besten lebenden amerikanischen Krimiautoren, der mit Parker ganz in der Hardboiled-Tradition steht, mit den ebenfalls sehr erfolgreichen Romanen um John Archibald Dortmunder jedoch einen leichteren, nämlich vor allem komischeren Ton anschlägt. Der unglaublich produktive Autor veröffentlichte unter insgesamt 12 verschiedenen Namen über 80 Romane, außerdem Kurzgeschichten und Drehbücher, unter anderem für die Stephen-Frears-Adaption von Jim Thompsons THE GRIFTERS.
In Ullsteins gelber Krimireihe erschienen in den Sechzigern und Siebzigern viele seiner Romane auch auf deutsch, dann fiel für ihn, wie für viele US-Autoren der härteren Schule, der deutsche Markt einfach weg. Hier gehen halt heutzutage besser gemütliche Whodunnits mit sympathischen Ermittlern in vorzugsweise touristisch interessanten Gegenden. Der erste Parker auf deutsch seit 1975 ist jetzt aber in edler Aufmachung bei Paul Zsolnay herausgekommen, ein Riesenunterschied zu den Ullsteinbänden, die eher der Optik von amerikanischen Pulpheften nahe kamen. Der Neuanfang bei uns war auch Anlass für einige Lesungen, für mich wiederum die Gelegenheit, ihn nach seinen Film-Präferenzen zu fragen.
Der erste Parkerroman war übrigens die Vorlage für den viel verehrten John-Boorman-Film POINT BLANK mit Lee Marvin in der Hauptrolle, ein Film, den Westlake, wie er sagt, ungemein schätzt, der sich aber weit vom knochentrockenen Stil des Romans entfernt habe, ja geradezu "poetisch" und "barock" daherkomme, im Vergleich.



Und ein Film, den wir zum Glück nicht gesehen haben:

Privatdetektivgeschichten aus Deutschland haben fast nie funktioniert, eine seltene Ausnahme stellen die Romane um Kemal Kayankaya von Jakob Arjouni dar. Dass 1992 ausgerechnet Doris Dörrie den ersten Roman der Reihe verfilmen musste, war natürlich ein ausgesprochenes Pech, hätte die Regie in anderen Händen gelegen, gäbe es vielleicht sogar einen akzeptablen deutschen Detektivfilm.
Oder kennt ihr was, was ich nicht kenn?




Umsonst und zuhause:




Am Sonntag wird Herbert Achternbusch siebzig und darum zeigen die Öffentlich-Rechtlichen einige seiner Filme, die mittlerweile fast vergessen sind. Sonst schon lange aus allen Kino- und Fernsehprogrammen verschwunden, bis vor kurzem auch ausnahmslos nicht auf DVD zu kriegen, ist das eine seltene Gelegenheit, sein skurriles Werk kennenzulernen.

Los gehts mit einer neuen Doku von Andi Niessner, über die Wolfram Schütte schrieb: "
Niessner gelingt es nicht nur, den heute völlig vereinsamten anarchistischen Filmemacher, Schriftsteller und Maler - oft in Begleitung seiner späten Tochter Naomi - zum Sprechen, Erzählen und zur uneitlen Selbstdarstellung zu bringen, sondern auch seine Kinder aus seiner frühen Ehe und Weggenossen &-genossinnen zu einem komplexen filmischen Porträt des radikalsten filmischen Solipsisten des deutschen Films zu bewegen. Es ist, um mit Robert Musil zu sprechen, gewissermaßen “Ein Nachruf zu Lebzeiten” des in diesem Jahr siebzig Jahre alt werdenden traurigen Clowns, für den unsere, vor allem die bajuwarische Gesellschaft des neuen Schickimicki, keinen Platz und kein Interesse mehr hat; und er nicht an & in ihr."
Am Samstag im BR um 21.45 Uhr. ShowView 1.863.025

Und dann folgen immerhin vier seiner Filme:

DAS ANDECHSER GEFÜHL (Samstag, BR, 23.15 Uhr, ShowView 8.129.716)
SERVUS BAYERN (im Anschluss, in der Nacht Samstag auf Sonntag, BR, 00.15 Uhr, ShowView 2.892.976)
I KNOW THE WAY TO THE HOFBRÄUHAUS (noch später in der selben Nacht, BR, 01.20 Uhr, ShowView 6.936.679)
und außerdem
DAS LETZTE LOCH (am Dienstag, 3Sat, 22.55 Uhr, ShowView 7.068.962)


Am Freitag

Auf arte in der Nacht von Freitag auf Samstag um 00.15 Uhr: DER HEXENJÄGER, der legendäre letzte Horrorfilm von Michael Reeves, mit Vincent Price, der hier noch einmal zu Hochform aufläuft und mit, für die Zeit, die späten Sechziger, ungewöhnlich brutalen Gewaltszenen. "Die auf Schauer- und Rühreffekte angelegte Illustration dieser schrecklichen Geschehnisse entbehrt jeder geistigen und künstlerischen Durchdringung, so daß die krassen Brutalitäten nur noch selbstzweckhaft erscheinen", befand, wenig überraschend, der Autor des Filmlexikons. ShowView 4.724.532


Am Montag

Der spanische Film DUNKELBLAUFASTSCHWARZ ist mindestens so toll wie sein Titel und läuft am Montag um 22.50 Uhr im WDR. Ein wenig melodramatisch, ein wenig komisch, ein realistisches Setting, gute, nie zuvor gesehene Schauspieler und eine fessselnde Geschichte über Zeugung als brüderliche Hilfe und Liebe und Verwirrung und Jobprobleme und Knast. ShowView 97.234.057


Auch am Montag:

DER FUHRMANN DES TODES war der Lieblingsfilm von Ingmar Bergmann, mindestens einmal im Jahr soll er ihn sich angeschaut haben, der vielleicht wichtigste Einfluss. Regisseur Victor Sjöström trat ein letztes Mal als Schauspieler 1957 in Bergmanns WILDE ERDBEEREN auf. Sjöstroms Stummfilm von 1921 erzählt von einem Trinker, der ein Jahr lang die Toten einsammeln muss und über sein verpfuschtes Leben nachdenkt. In der Nacht von Montag auf Dienstag auf arte um 00.25 Uhr. ShowView 1.664.380


Am Dienstag

Aus Österreich kommt ein Drama über die Vorgeschichte eines Muttermordes, HURENSOHN heißt der Film und soll herausragend inszeniert wie gespielt sein. Schwerer Stoff, leichthändig umgesetzt, wenn man den Kritiken glauben darf. Auf arte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 01.10 Uhr, ShowView 8.947.210


Am Mittwoch

Noch mehr Huren: Von Amos Gitai zeigt arte in deutscher Erstaufführung GELOBTES LAND, einen halbdokumentarischen Film über Zwangsprostituierte aus Osteuropa in Israel. Von manchen hochgelobt, von anderen heftigst abgelehnt, scheint das Anschauen keinen unbeteiligt zu lassen. Lief nicht bei uns im Kino, obwohl Hanna Schygulla mitspielt. Um 23.20 Uhr, ShowView 7.241.688


Und wie immer gibt es außerdem noch viele weitere sehenswerte und wohlbekannte Filme im Programm, diese Woche beispielsweise mit Arnie als TERMINATOR auf Vox und in TOTAL RECALL auf RTL2, außerdem Lynchs MULHOLLAND DRIVE auf Tele5, Corbuccis LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG und ZWEI COMPANEROS im Ersten, Altmans DIEBE WIE WIR auf dem gleichen Sender, Tarantinos KILL BILL, erster Teil, auf Pro 7 (in der nächtlichen Wiederholung ungekürzt) und Truffauts LETZTE METRO auf arte. Wer suchet, der findet.



Kinos, Folge 50: Das Rollberg in Berlin-Neukölln


Drinnen dürfe ich nicht fotografieren ohne Genehmigung, da wies mich der überkorrekte Kartenverkäufer gleich drauf hin, als ich die Kamera in die Hand nahm. Na gut, dachte ich, mach ich eben ein Bild vom Eingang. Kaum steh ich davor, fragt mich ein schwarz uniformierter Wachmann, was ich denn da mache. Und da der Eingang zum Kino sich im Inneren eines kläglichen kleinen Einkaufszentrums befindet, musste ich mich erneut vertreiben lassen. Vom Hof aus war dann diese Ansicht möglich und da kommt das funktionale Neunziger-Jahre-Schachtelkino mit Topfplanzen verdammt gut weg bei.
Das Kino liegt an der Herrmannstraße mitten im nördlichen "Problemkiez", wie das in Berlin genannt wird, von Neukölln, dem verrufensten Stadtteil des ganzen Landes und findet da überraschenderweise Publikum für ein ambitioniertes Programm, in dem auch OmU-Fassungen ihren Platz haben. Und das, obwohl das schöne Neue Off und das Passage, beide ähnlich bemüht, gar nicht weit entfernt sind. Passt so gar nicht zu all den schlechten Nachrichten über Neukölln.



Eine weitere niedliche Google- nein, Yahooabfrage, die letzte Woche jemanden auf diese Seiten führte: "wie schreibt man dreizehn auf englisch".


Kommentare:

  1. Verblüffend, diese vorurteilsgetriebene Kritikgenauigkeit bei „Wächter der Wüste“! Ich gehöre nämlich zu den armen Erdmännchen, die diesen Film schon gesehen haben. Deshalb möchte ich meinen die Kinoprovinz voll und ganz bestätigenden Verriss nicht zurückhalten:

    „Nach dem Riesenerfolg der "Reise der Pinguine" kommt nun die nächste Pseudodoku über Tiere auf zwei Beinen. Diesmal sind die Erdmännchen dran. In Erdmannshausen aber stieße dieser Film auf Entsetzen, denn mit dem wahren Leben der possierlichen Kalaharibewohner hat er so viel zu tun wie Disneyland mit einem Versuchslabor für Zuchtmäuse. Zwar sehen wir die Erdmännchen herumwieseln, nach Adlern Ausschau halten, flüchten, rennen, ruhen, erwachsen werden, und das alles meist in einem Gegenlicht, das ihre Härchen aufstrahlen lässt wie Gloriolen. Doch der unerträgliche Offkommentar von Rufus Beck verdirbt uns jede Freude an den Bildern. Hier menschelt's zum Steinerweichen, hemmungslos werden die Tiere putzifiziert, und zwar nur knapp über Teletubby-Niveau. Wenn Beck mit Quiekstimme die inneren Monologe des Erdmännchenjungen Kolo wiedergibt, dann fragt man sich ernsthaft, wie alt Kinder überhaupt sein müssen, um das nicht vollkommen affig zu finden - vielleicht 1? Letztlich ist alles an diesem Film erstunken und erlogen, er unterstellt überall da Ethik und Emotionen, wo in Wahrheit nichts weiter herrscht als die kalte Macht der Gene und Instinkte. Wer sich wirklich für den Erhalt des Ökosystems stark machen will, was Filme wie dieser immer vorgeben, sollte eher die Evolutionsbiologie unterhaltend und kindgerecht verpacken, statt die Tierwelt in "Traumschiff"-Zuckerwatte zu stecken. Technisch aber ist "Wächter der Wüste" ganz fantastisch gelungen - Infrarotaufnahmen im Erdmännchenbau: Das hat noch keiner geschafft. (mw)“

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  2. Zu "The Strangers"

    Das französische Vorbild "Ils" hatte ich vor zwei Jahren auf dem Fantasy Film Fest gesehen. Die wirklich sehr effektive Inszenierung konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Plot auf dem Rand eines Bierfilzes ausreichend Platz hätte. Die Auflösung löste bei mir dann auch noch ein mittelschweres "Häh?" aus. Putzig, dass sowohl das Original wie auch die Kopie mit dem Hinweis beginnen, dass die Handlung auf einer waren Begebenheit beruht. Wahrscheinlich werden wir diesen Hinweis irgendwann auch mal vor einem James-Bond-Film finden.

    zu "Palermo Shooting"
    Es handelt sich zwar um Campinos erste Hauptrolle, aber nicht um seinen ersten Kinoauftritt. Er war bereits mit einer größeren Rolle in der Komödie "Langer Samstag" von Hans Christian Müller zu sehen. Und dann war da noch der "Formel Eins Film" auch wenn er da zusammen mit seinen "Toten Hosen"-Kollegen nicht viel zu spielen hatte.

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  3. Zusätzliche Informationen, ja ganze Texte, Korrekturen: Da machen Kommentare Spaß. Danke schön.
    @ Thiess: Von "Langer Samstag" hatte ich noch nie gehört. Scheint ja nicht gerade ein Meisterwerk zu sein, dass der Polt-Regisseur da verzapft hat: "Die Absicht, der Gesellschaft an Hand des Mikrokosmos Einkaufszentrum den satirischen Spiegel vorzuhalten, führt durch ein in jedes geschmackliche Fettnäpfchen tretendes Drehbuch, eine uninspirierte Regie, langweilige Fernsehbilder und eine teilweise dilettantische Schauspielerführung zu einem peinlichen bis ärgerlichen Ergebnis", meint das Filmlexikon.
    Gesehen?

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  4. @ Matt: Mancher bewertet die Mitarbeit von Rufus Beck offensichtlich ganz anders: Christiane Peitz bemängelt etwa im Tagesspiegel, dass es so "menschelt" im Film, aber "Rufus Beck als Erzähler entschädigt dafür". Oder Tilman Spreckelsen in der FAS: "Doch wer sich 'Wächter der Wüste' anschaut, merkt, wie spannend solche Filme (Tierfilme) eben auch sein können, wenn sie gut aufgenommen und vor allem gut erzählt sind."

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  5. Nein, "Langer Samstag" habe ich nicht gesehen. Die damalige Kritik im Filmdienst war, wenn ich mich recht erinnere, alles andere als verlockend und auch die Ausschnitte im TV wirkten nicht komisch, sondern eher auf plumpe Weise bemüht Komik zu erzwingen.

    Wer sich den Film heute immer noch antun will, muß auf die VHS-Veröffentlichung bei UFA-Video zurückgreifen, da der Film noch nicht auf DVD erschienen ist. Bei Ebay wird der Film zu erstaunlich hohen Preisen angeboten, was mal wieder zeigt, dass es wirklich für alles einen Markt gibt.

    In der Imdb hat der Film sogar einen positiven Eintrag bekommen. Der Verfasser sieht ihn allerdings in der Tradition von "Zwei Nasen tanken Super", was sein Gesamturteil "One of the best german movies" wieder stark anzweiflungswürdig macht.

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