Roboter im Irrenhaus und Gläubige im Supermarkt

Woche 3/2008


Als der neue Film von Park Chan-wook letztes Jahr auf der Berlinale lief, übersetzte ich den englischen Titel einfach ins Deutsche und schrieb vom "schönsten Filmtitel des Jahres": ICH BIN EIN CYBORG, ABER DAS MACHT NICHTS. Jetzt ist der Film endlich im Kino angekommen, der Titel aber leider nicht im Deutschen. Der koreanische Regisseur ist verantwortlich für JOINT SECURITY AREA (im VC) und die furiose und blutrünstige Rachetrilogie SYMPATHY FOR MR. VENGEANCE (auch im VC, dank Carmen), OLD BOY und LADY VENGEANCE, aber mit meinen Vorurteilen komme ich in diesem Fall nicht weiter: Diesmal haben wir es nämlich, so der Regisseur, mit einer Komödie zu tun, einer Komödie über ein Frau, die sich für einen Cyborg hält. Erzählt wird eine einfache Geschichte offensichtlich recht komplex, spektakulär wird es, weil die Innensicht der Verrückten in Bilder umgesetzt wird. Hoffentlich ist es nicht nur ein verspieltes Spektakel an der Oberfläche, einen Kinobesuch wert ist der Ausnahmefilm aber in jedem Fall. Läuft im 3001.


JOSHUA ist ein Familiendrama und gleichzeitig ein Horrorfilm. Im Mittelpunkt stehen ein hochbegabtes neunjähriges Kind und einige tödliche Ereignisse. Die Erzeugung einer bedrohlichen Atmosphäre soll sehr gelungen sein, der Film insgesamt eher nicht. Immerhin werden nicht alle unheimlichen Vorkommnisse blöd aufgeklärt. Wer geht rein und kostet vor? Läuft nur im UCI Othmarschen, vorraussichtlich nicht lange.


DER NEBEL birgt eine finstere Bedrohung. Wer den Supermarkt verlässt, ist verloren. Und drinnen herrschen Paranoia und religöser Wahn. Der handwerklich solide Horrorfilm beruht auf einer Vorlage von Stephen King und hat nichts mit Carpenters THE FOG - NEBEL DES GRAUENS zu tun. Wäre schön im alten Aladin oder im Oase nachts um ein Uhr, aber heutzutage müssen wir in eins der Multiplexe, wenn wir Frank Darabonts Film nicht verpassen wollen. Er hat übrigens auch Regie geführt bei der Stephen-King-Verfilmung DIE VERURTEILTEN, dem Film, der immer noch auf dem zweiten Platz auf der imdb-Bestenliste steht.


In ONCE geht es um Liebe unter Straßenmusikern und die dargebotene Musik hört sich so an:

Wen das nicht abschreckt, kann sich das 87 Minuten lang im Abaton (OmU) oder im Studio antun.




Marc Forster hat Regie geführt bei dem großartigen MONSTER'S BALL, heute ist er leider für jeden Scheiß zu haben: Etwa für den nächsten Bond oder aber für so ekelhaften Kitsch wie DER DRACHENLÄUFER. Dramatische Familienzusammenführung in Afghanistan in "einer der schönsten Geschichten unserer Zeit", wie es im Trailer heißt, der in seinem konzentriertem Schleim zugegebenermaßen weit schlimmer ist, als der Film bei aller Anstrengung überhaupt sein kann. Wer die Langfassung haben muss, geht ins Abaton (OmU), ins Zeise, Holi, Koralle oder in das Cinemaxx.


HOPE hat ebenfalls schwülstige Musik zu bieten, da trieft die Bedeutsamkeit erst so richtig schön. Das Drama um Schuld und Sühne und so weiter kommt aus Polen und läuft im Studio.



Außerdem weiterhin:


TÖDLICHE VERSPRECHEN leider nicht mehr im Abaton OmU, die zeigen lieber den neu anlaufenden Kitschkram, aber jetzt im Grindel OF sowie im Cinemaxx und im UCI Othmarschen in der deutschen Fassung.
aus der FAS vom 6.1.:
"Falls, übrigens, aus dem Interview mit David Cronenberg, das vor zwei Wochen in diesem Feuilleton zu lesen war, noch nicht hinreichend hervorging, wie phantastisch dessen Film TÖDLICHE VERSPRECHEN ist, hier also noch einmal: Ja, das Kino ist, was man dem Theater gerne vorwirft, nämlich eine moralische Anstalt; nicht weil hier gepredigt oder gelehrt würde. Sondern weil die Moral der Helden daraufhin getestet wird, ob sie den Herausforderungen des Lebens standhält. Und im Glücksfall, also zum Beispiel in den TÖDLICHEN VERSPRECHEN kann der Zuschauer vor der Herausforderung der Bilder und Szenen gleich auch die eigene Moral prüfen." (Claudius Seidl)

"Und wenn demnächst immer mehr junge Männer in den Städten auftauchen werden, die ihr Haar schwarz zurückgeschleimt am Schädel tragen, wenn sich Halbwüchsige, die bis eben noch schlaff in Hip-Hop-Hemden herumhingen, in den Fitnessstudios ihre Brustmuskeln auftrainieren, damit möglichst viele kyrillische Schriftzeichen darauftätowiert werden können, wenn unter halbstarken Schlägern eine seltsame Geste mit zwei Fingern unterm Kinn Mode wird und wenn die Jungs, die im Moment noch keinen deutschen Satz ohne zwei coole englische Vokabeln herausbringen, anfangen, vor den Mädchen, die sie beeindrucken wollen, mit schwerem russischen Akzent zu sprechen, dann sage ich: Dorogije drusja, das wundert mich gar nicht!" (Peter Richter)

DARJEELING LIMITED im Abaton OmU, außerdem im Zeise, im Passage und im UCI Mundsburg.

4 MONATE, 3 WOCHEN UND 2 TAGE nur am Sonntag um halb sechs im Passage
und am Montag und Dienstag um viertel nach fünf im Koralle.

DIE ZWEIGETEILTE FRAU im Passage und im Blankeneser.

HOTEL VERY WELCOME immer noch im Studio(!).

VERWÜNSCHT in den Multiplexen nur noch nachmittags.

PERSEPOLIS im Studio.

MR. BROOKS in Spätvorstellungen im Cinemaxx.

AMERICAN GANGSTER im Cinemaxx, im UCI Othmarschen und im UCI Wandsbek.

I AM LEGEND in den Multiplexen.



Umsonst und zuhause:


Am Donnerstag auf arte um neun: DIE SYRISCHE BRAUT, eine absurde Geschichte aus dem israelisch-syrischen Grenzgebiet.


Für alle, die AMORES PERROS bislang nicht gesehen haben, oder ihn erneut sehen wollen, gibt es am Sonntag im MDR um 00.45 Uhr eine Gelegenheit.



Klingt interessant und hat es nicht ins Kino geschafft: LA NINA SANTA - DAS HEILIGE MÄDCHEN aus Argentinien, läuft am Mittwoch um 22.50 Uhr auf arte.



Kinos, Folge 10: Das Magazin in Winterhude.

Kommentare:

  1. Ja, ja, ich geb ja schon auf: "Tödliche Versprechen" ist ein Superfilm, und sollte ich mal was anderes gesagt haben, dann nur, weil mich die Russenmafia unter Verwendung ihrer putzigen kleinen Stummelmesser dazu gezwungen hat.

    AntwortenLöschen
  2. "Ich will Dich" ist zwar ein schrecklicher Titel - auch wenn es sich um eine Doku handelt -, aber der Film über die Schriftstellerin Hilde domin soll laut DLR Kultur großartig sein. Nur: er läuft in der Kinoprovinz Hamburg nicht (nur 1x diese Woche nachmittags im Abaton oder so)! Weiß jemand Rat? Will den noch jemand sehen?

    Gunnar, dank Dir wie immer für Licht im graublauen Winterkinomatsch!

    AntwortenLöschen