Kung Fu in Kopenhagen

"Im Prinzip ist es völliger Schwachsinn, ein Kino zu machen." Stefan Arndt, 1987. Da war er noch Mitbetreiber des Sputnik im Wedding.


Woche 1/2009 (1.1. - 7.1.)

Die Neustarts:




Ayse ist ein siebzehnjähriges türkisches Mädchen in Kopenhagen, das Kung Fu erlernt und sich verliebt, gegen alle familiären Widerstände, mit gravierenden Folgen. Ist natürlich nur mäßig originell, als erstes kommt einem KICK IT LIKE BECKHAM in den Sinn, soll aber souverän gespielt und inszeniert sein, sogar mit Kampfszenen auf amtlichem Niveau, dafür wurde der Choreograph von Ang Lees TIGER & DRAGON gewonnen.
Der Kritik gefällt´s. Vermutlich handelt es sich also bei FIGHTGIRL AYSE um einen bei aller Didaktik ansprechenden und empfehlenswerten Film für die Zielgruppe der Vierzehn- bis Achtzehnjährigen. Schön, dass die auch mal etwas anderes angeboten bekommen als die üblichen Retortenprodukte. Ob die vorhersehbare Fabel auch uns alte Vielgucker fesseln kann, wage ich zu bezweifeln. Läuft bei uns im UCI Wandsbek und hier andernorts.



Außerdem neu:



In KURZER PROZESS agieren Al Pacino und Robert De Niro zusammen, das erste Mal so richtig. Es ist ein Thriller, die beiden sind Polizisten und stoßen in einem Serienmörderfall auf eine Spur, die in die eigenen Reihen führt. Da denkt man natürlich erst mal: Na prima, das will ich sehen, hört sich doch gut an. Das Drehbuch stammt auch noch von Russell Gewirtz, der den tollen INSIDE MAN geschrieben hat, was kann da schiefgehen? Die richtige Antwort versucht der Verleih uns vorzuenthalten, indem er keine üblichen Pressevorführungen anbietet, sondern nur ausgewählten Schreibern den Film zeigt, die sich einverstanden erklären, bei Nichtgefallen auf eine Rezension zu verzichten. Die Antwort lautet nämlich: Alles, wie man den vernichtenden Kritiken in den USA entnehmen kann. Es scheint sich um einen ungeheuer öden und abgeschmackten unterdurchschnittlichen Thriller zu handeln, der besser in die Achtziger passen würde und gar keinen Verleih bekommen würde, wenn nicht das Superpaar in den Hauptrollen spielen würde.
Lustig ist der Tagesspiegel mit dem Rezensionsverbot umgegangen: Sie haben Martin Schwickert ins benachbarte Polen zum Gucken geschickt, wo der Film schon vorher regulär lief, damit er den unausweichlichen Verriss schreiben kann. Die eine oder andere Publikation wird in den kommenden Tagen verspätet die schlechte Kritik nachliefern, doch ich denke, dass die Strategie des Verleihers trotzdem aufgeht: Vermutlich zahlt doch eine nennenswert größere Menge Leute für Eintrittskarten in den ersten Tagen, bis es sich rumgesprochen hat, um was für einen Mist sich das handelt. Wer sich selbst ein Bild machen will, kann das bei uns im UCI Mundsburg, UCI Othmarschen, Cinemaxx und Cinemaxx Wandsbek. Hier die Liste weiterer Städte, in denen KURZER PROZESS läuft.




Und: Jetzt erreicht der Esoquatsch schon das Gangster-Genre: Der Sohn eines Triadenbosses bekommt Ärger mit Papa und wird in die Wüste, nein, in die Berge geschickt. Da "trifft er auf eine Gruppe Zen-Trommler, deren bombastische Schläge weit durch das Gebirge hallen. Zunächst will Sid nur die musikalische Herausforderung, beweisen, dass er es mit den trommelnden Mönchen aufnehmen kann. Doch für die Mönche sind der Rhythmus und die Harmonie beim Trommeln ein Weg zu spiritueller Erleuchtung. Schon bald muss Sid seine jugendlichen Weisheiten in Frage stellen. Für ihn beginnt ein neues Leben, er lernt Körper und Geist in Einklang zu bringen." Steht so im Pressetext. Ob das wohl ein kühl kalkuliertes Produkt für den westlichen Markt ist, wo jeder vermeintlich tiefere Sinn mit fernöstlichem Mäntelchen gern genommen wird? DIE REISE DES CHINESISCHEN TROMMLERS läuft bei uns natürlich im Abaton, dass offenbar seine Zukunft in der Pflege eines Publikums sieht, das im Kino nach Erleuchtung statt Erkenntnis oder Unterhaltung sucht. Und im 3001 wird damit auch einmal täglich der Vorführraum blockiert. Hier die anderen Städte.





Und: Nach längerer Pause mal wieder ein Vertreter des dümmsten aller Genres, ein neues Biopic aus Frankreich. Diesmal hat es Françoise Sagan getroffen. War nur eine Frage der Zeit, nach dem sie vor vier Jahren gestorben war. Aber im neuen Jahr kommt´s noch viel schlimmer: Die beiden Biopics über Romy Schneider mit Jessica Schwarz respektive Yvonne Catterfield walzen unaufhaltsam direkt auf uns zu.
BONJOUR SAGAN läuft im Abaton und im Koralle. Und hier andernorts.



Wöchentliche Provinzialitätsmessung:

Anderswo startet diese Woche außerdem eine Fernsehdokumentation über ein Fernsehprojekt von 2007: CHRISTOPH SCHLINGENSIEF - DIE PILOTEN. Es laufen in Hamburg also 80% der Filme an. In Berlin sind sie, wie immer, alle zu sehen.



Weiterhin:




SO FINSTER DIE NACHT im 3001 und spät im UCI Othmarschen.

O´HORTON im Abaton, im Zeise und jetzt auch nachmittags im Cinemaxx Harburg und im Cinemaxx Wandsbek.

EL BAÑO DEL PAPA nur noch nachmittags im 3001.

VICKY CRISTINA BARCELONA im Abaton OmU, außerdem im Magazin, Zeise, Holi, Blankeneser, nachmittags im UCI Mundsburg und im Streits OF.

WALTZ WITH BASHIR am Montag im Cinemaxx Harburg, außerdem in Sonntagsmatineen im Zeise und im Abaton.



Außer der Reihe:


Da sich bei uns in der Kinoprovinz schon wieder kein Kino gefunden hat, das den im November gestarteten Film 33 SZENEN AUS DEM LEBEN regulär ins Programm nimmt, erbarmt sich jetzt das Metropolis: Die Polnisch-Deutsche Schilderung einer Abfolge von persönlichen Schicksalsschlägen, die eine dreißigjährige Künstlerin hinnehmen muss, läuft ab Neujahr zu verschiedene Zeiten und an mehreren Tagen im Kommunalen Kino am Steindamm. In der Hauptrolle: Julia Jentsch, die das sehr eindringlich und überzeugend hinkriegen soll.
Außerdem geht im Metropolis mit einer David-Lynch-Retrospektive und drei Lubitsch-Filmen das neue Jahr los.


Und eine höchst interessante Veranstaltungsreihe nimmt mit CASABLANCA ihren Anfang: Unter dem Titel "Jansens Kino" wird jeweils eines der Hörfunkfeatures des im November verstorbenen Kritikers Peter W. Jansen im Kino abgespielt und im Anschluss dann einer der Filme gezeigt, von denen die Rede war. Die ganze Reihe, "Eine Geschichte des Kinos in 100 Filmen" ist übrigens auch auf CD verfügbar.
Im Kinderprogramm läuft der immer noch ungeheuer spektakuläre DIEB VON BAGDAD auf der Riesenleinwand und Stanley Kubricks UHRWERK ORANGE darf auch noch mal seine ganze Wirkung auf 170 qm entfalten.



Dies und das:


Eine ausgesprochen gut funktionierende wie naheliegende Verquickung von Nouvelle Vagues Bauhauscover mit Tod Brownings DRACULA. Via Ekkehard Knörer bei Cargo.



Wer des englischen mächtig ist und im Netz je nach aktuellen Informationen zum Thema Film gesucht hat, wird irgendwann auf das Blog GreenCine Daily gestoßen sein. Auf der Plattform des amerikanischen DVD-Verleihs verlinkte David Hudson hier fünf Jahre lang brandaktuell alles, was irgendwo an relevanten Meldungen und sonstigen Texten und Bildern mit Filmbezug veröffentlicht wurde. Sein Blick reichte dabei immer erstaunlich weit über den amerikanischen Tellerrand hinaus.
Ab sofort bloggt Hudson jetzt für einen neuen Herrn, den IFC, (Independant Film Channel), ein Fernsehsender und Filmverleiher, während GreenCine kompetenten Ersatz gefunden hat. Bei dieser neuen Wettbewerbssituation können wir Leser nur gewinnen.



Hermann L. Gremliza auf meine Frage nach seinem Lieblingsfilm:

"Jede hundertste Anfrage wird beantwortet. Sie haben Glück:
OSCAR von Edouard Molinaro mit Louis de Funès."

Der Film von 1967 ist unumstritten einer der besten Filme mit dem französischen Komiker und das, obwohl er auf einem Theaterstück beruht und fast durchgehend in den immergleichen Räumen eines einzigen Hauses spielt. Aber für Louis de Funès ist der durch pure Verwechslungen in den Wahnsinn getriebene Unternehmer die Paraderolle, mit der er schon auf der Bühne acht Jahre zuvor groß wurde, ein cholerischer Charakter, der Vorbild für zahlreiche weitere seiner Filmfiguren wurde. Der enge Rahmen lässt die Wirkung seines Wütens um so größer erscheinen, sämtliche anderen Darsteller werden zu reinen Stichwortgebern und Zuschauern degradiert. Die Boulevardburleske schnurrt in hohem Tempo, die Pointen folgen dicht aufeinander, mit immer neuen Wendungen und Überraschungen wird die Handlung vorangetrieben und gespielt wird staccato, ohne Atem zu holen. Man kann sich unmöglich irgendeinen anderen Schauspieler in dieser tour de force vorstellen.

Der titelgebende "Oscar" ist übrigens keineswegs die Rolle von de Funès, sondern der von ihm entlassene Chauffeur, in den sich seine Tochter verliebt hat. Die deutschen Verleiher haben nach dem großen Erfolg trotzdem zahlreiche deutsche Titel für andere de-Funès-Filme folgen lassen, die dann BEI OSCAR IST ´NE SCHRAUBE LOCKER, OSCAR HAT DIE HOSEN VOLL oder OSCAR LÄSST DAS SAUSEN NICHT hießen. Das ging bis in die Achtziger Jahre ohne Sinn und Verstand weiter, nur dass Oscar erst gegen Balduin und dann gegen Louis in immer neuen schwachsinnigen Titeln ausgetauscht wurde. Dabei handelte es sich keineswegs um neue Filme, die Verachtung für das Publikum, mit der in der Branche hierzulande vorgegangen wurde, lässt sich daran ablesen, wie ununterbrochen die immer gleichen Filme mit neuen Titeln und ohne jeden Hinweis auf den Etikettenschwindel erneut in die Kinos gedrückt wurden. OSCAR selbst tauchte auch auf als LOUIS DER TRAUMTÄNZER, LOUIS UND OSCAR und OSCAR DER KORINTHENKACKER.

Hübsch die Platzierung des "Prädikat: 'Wertvoll'". Die deutschen Synchronfassungen sind zum Teil auch berüchtigt, da ist oftmals jede Menge dämliches Geblödel im Dialog, das im Original schlicht nicht vorhanden ist, bei OSCAR soll die deutsche Fassung aber ganz in Ordnung sein, vermutlich hat das hohe Tempo kaum Raum für solche ärgerlichen Ergänzungen der deutschen Autoren gelassen. Hier eine Kostprobe:



Die jahrzehntelange Verleihpraxis gibt auch einen Hinweis auf das avisierte Publikum. De-Funès-Filme waren nie ewas für Cinéasten, im Feuilleton kamen sie nicht vor und mit einer Nennung in dieser Rubrik hätte auch ich heute nie gerechnet, so wenig wie ich erwarte, dass mir mal jemand mit ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEM WEG ZUR HÖLLE antwortet. Meine eigene Begeisterung für die Filme mit dem komischen Giftzwerg klang mit dem Erwachsenwerden ab, irgendwann schien mir das alles zu albern und irrelevant zu sein und zum Wiederentdecken bin ich nie gekommen. Bis jetzt.

Hermann L. Gremliza ist Autor und Herausgeber von Konkret, der linken politschen Zeitschrift mit einer abenteuerlichen Vergangenheit: Gegründet 1955 als Studentenkurier von Klaus Hübotter und Klaus Rainer Röhl, war das Blatt schnell immens einflussreich und sammelte Autoren vom Kaliber Peter Rühmkorffs und Arno Schmidts, wurde eine Zeitlang finanziell unterstützt von der DDR, hatte Ulrike Meinhof, die Frau Röhls, als Autorin und Chefredakteurin und wurde von Röhl schließlich in den frühen Siebzigern in den inhaltlichen und wirtschaftlichen Bankrott geführt. Dass das unrühmliche Ende als Tittenpolitpostille nicht ein endgültiges war, ist Gremliza zu verdanken, der 1974 als Herausgeber einen Neuanfang wagte.
Und so unruhig die Geschichte des Blattes bis dahin war, so erstaunlich konstant erscheint seitdem monatlich das kritische Blatt, das mehr oder weniger polemisch zu Felde zieht gegen das gesamte wirtschaftliche und politische System dieser Republik, gegen Nationalismus (besonders deutschen), Antisemitismus (besonders linken), Religion und jede Art der Ausbeutung. Eine einzigartige und unbeirrbare Fundamentalopposition, die niemand sonst leistet, schon gar nicht irgendwelche im Bundestag vertretenen Parteien.
Die größte Konstanz besteht in den Beiträgen Gremlizas selber, die seit jeher das Heft einrahmen: Vorn die sprachlich wie gedanklich geschliffene Analyse der jeweils gerade größten Sauereien, hinten, in "Gremlizas Express", die aufgespießten und gewitzt kommentierten kleinen Haufen anderer Medien. Das geht so Monat für Monat, Jahr für Jahr, ohne dass sich je eine Formschwäche abzeichnet, ein Lesevergnügen selbst für jene, die in keiner Frage je mit ihm übereinstimmen.
Ein Beispiel aus dem aktuellen "Express":

"Auf die Frage, wozu Religion da ist, gibt es viele Antworten, metaphysische und psychosoziale, feinsinnige und grobe. Keine von ihnen ist kürzer und bündiger als die Aufklärung, welche die Hamburger Bischöfin Maria Jespen ihren Schäfchen anlässlich der Finanzkrise erteilt hat:
'Der erste Schritt zu einer Umkehr ist das Eingeständnis eigener Fehler.' Dabei greife es zu kurz, eine Schuld nur bei den Bankberatern, Finanzmanagern und Politikern zu suchen. Der Buß- und Bettag könne eine Gelegenheit sein, sich über eigenes Fehlverhalten Gedanken zu machen, um Vergebung zu bitten und von Gott Kraft zur Umkehr zu erhoffen, sagte Maria Jespen.
Dass die alleinerziehende Verkäuferin, die der Anlageberater einer Bank um die für den Kauf von Lehrmitteln gesparten letzten zehn Weihnachtsgelder geprellt hat, in sich und auf die Knie geht, anstatt einen Kübel Jauche in die Lobby des Finanzinstitus zu kippen: Dafür ist Religion da."



Und ein Film, den wir zum Glück nicht gesehen haben:


Die Filme mit Louis de Funès sind keinesfalls alle großartig, aber so richtig furchtbar und unerträglich scheint da nach seinem Durchbruch zum Starkomiker kein einziger Film zu sein. Auch nicht die immer liebloser abgedrehten Sequels der Gendarm-von-St-Tropez-Serie. Aber das hier möchte ich nun wirklich auf keinen Fall sehen. Eine dämlicher Abklatsch, der "Briefträger von St. Tropez". Regie führte der offenbar talentlose Richard Balucci, der am Drehbuch des Originals von 1964 beteiligt war. Michel Galabru, bei den Gendarm-Filmen immer dabei, wurde auch angeheuert. Das Filmlexikon warnt: "Im Stil der Louis-de-Funes-Filme inszenierte Komödie, die den Alltag des südfranzösischen Nobelbades zu karikieren versucht; schlecht gespielt und miserabel inszeniert."



Umsonst und zuhause:


Am Samstag:

Noch einmal einer der schönsten Animes von Hayao Miyazaki, DAS SCHLOSS IM HIMMEL, von 1986, wie immer mit Musik von Joe Hisaishi, der seine schönsten Scores für Miyazaki und Takeshi Kitanos Filme komponiert hat. Ein magischer Stein, Freundschaft, Luftpiraten, Geheimagenten, Riesenroboter und ein Schloss im Himmel. Und über allem liegt der ganz eigene Miyazakizauber. Leider wieder auf Super RTL, ohne Abspann aber mit viel Werbung. In jedem Fall sehenswert, ob mit oder ohne Kinder. Um 20.15 Uhr, ShowView 38.430.375



Auch am Samstag:

Das ist mal ein überraschendes Thema für einen Film: STAUB. Von Hartmut Bitomsky. War 2008 im Kino. "Das Schöne an Hartmut Bitomskys Dokumentarfilm aber ist, dass er den Assoziationsraum von Staub und Kino bald verlässt und den Zuschauer mitnimmt auf eine Entdeckungstour, die vom Projektionsraums eines Filmtheaters bis in die Weiten des Kosmos führt, von den staubigen Gruben des Holzkohletagebaus bis in die sterilen Labors der Astrophysik und von den Banalitäten des Alltags bis in die Abstraktionen der Wissenschaft. Zu Wort kommen vor seiner Kamera sowohl die putzwütige Hausfrau, die regelmäßig die Rückverkleidung des Fernsehers zur Reinigung abschraubt, als auch der Astrophysiker, der erklärt, dass unser Universum nur Staub ist. Man merkt diesem Film an, wie viel Spaß sein Autor hatte, im 'Dreck', nichts weniger als die ganze Welt zu entdecken. Es ist eine Neugier, die ansteckt." Schrieb Barbara Schweizerhof in der Berliner Morgenpost. Um 23.30 Uhr auf arte. ShowView 328.319


Am Sonntag:

Ein griesgrämiger alter Zausel und ein kleines Mädchen, die unfreiwillig ein Abenteuer zusammen erleben, auf der Suche nach einem seltenen Schmetterling. Hört sich doof an, ist natürlich auch nicht sonderlich originell, aber sehr charmant und nett anzuschauen und das ist unter anderem dem großen Michel Serrault in der Rolle des alten Dickkopfs zu verdanken. Funktioniert auch als Kinderfilm, ist also eigentlich mehr geeignet für den Sonntagnachmittag, läuft aber im MDR um 00:45 Uhr, ShowView 63.183.872


Auch am Sonntag:

GANZ SO SCHLIMM IST ER AUCH NICHT, ein Film des Schweizers Claude Goretta, von 1974. Mit Gérard Dépardieu als Tischler, der keinen anderen Ausweg mehr für sich sieht, als Banken zu überfallen. Komisch wie kritisch und soll leichthändig inszeniert sein. Drei Jahre später drehte Goretta DIE SPITZENKLÖPPLERIN mit Isabelle Huppert. Auf 3Sat um 00:45 Uhr, ShowView 67.943.389


Am Dienstag:

Auf 3Sat um 23.55 läuft LANTANA, ein intelligenter Thriller aus Australien. Eine Frau verschwindet und das hat Folgen für mehrere Paare, die sich in Lügen und Verrat verstricken. Komplex, aber von leichter Hand sicher zusammengebaut. Mit Anthony LaPaglia. ShowView 85.918.148


Auch am Dienstag:

Ein Drama um Gefühle und Essen, mit Josef Ostendorf und Charlotte Roche, Regie führte Michael Hofmann. Die Roche in ihrem Schauspieldebüt soll ihre Sache gut machen, die Geschichte hübsch märchenhaft und skurrill sein, das Ende aber eher enttäuschend. Ist sicher einen Blick wert. Oder auch mehrere. EDEN läuft auf arte um 23.00 Uhr, ShowView 2.205.235


Auch am Sonntag:

Nochmal Miyazaki, diesmal aber werbefrei im Ersten. Und erstaunlicherweise so spät, dass überhaupt keine Kinder zugucken dürfen, um 00:35 Uhr. Allein der Anblick des namensgebenden Schlosses ist es schon wert, sich das mal anzuschauen. Ein weitestgehend analog produzierter Zeichentrickfilm von 2004, wärmstens zu empfehlen auch allen, die sich sonst nicht den Deut um Fantasygeschichten scheren. DAS WANDELNDE SCHLOSS. Ein Meisterwerk. ShowView 6.462.311



Wie immer gibt es außerdem noch viele weitere sehenswerte und wohlbekannte Filme im Programm, beispielsweise THE BIG LEBOWSKI und BAD LIEUTENANT im Vierten, SIDEWAYS auf Vox, EIN FISCH NAMENS WANDA im Ersten, STUART LITTLE und MÄUSEJAGD auf Pro 7, DIE FILZLAUS auf Tele5, Tim Burtons SLEEPY HOLLOW im ZDF, MURIELS HOCHZEIT und Brian De Palmas Remake von SCARFACE im BR, Sergio Leones ZWEI GLORREICHE HALUNKEN auf N3, DER DRITTE MANN auf 3Sat und FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY und MANCHE MÖGEN`S HEISS auf arte. Wer suchet, der findet.



Kinos, Folge 56: Das UCI in Hamburg-Othmarschen


Ein 1999 neu errichteter Blech- und Glaskasten an der Autobahnauffahrt mit dem Kino im obersten Stockwerk. Mit allem, was zum Standard-Multiplex dazugehört: Riesige Verkaufstresen für Popcorn- und Colaeimer, hässliche und verranzte Auslegeware, wenig Licht, alles voll mit jeder Art von überdimensionierten Werbemitteln, nüchterne Säle, teure Tickets, aber eine erfreuliche Bild- und Tonqualität, Riesenleinwände sowie bequeme Sitze. Zum Glück ist es, wie alle Multiplexe bei uns mit Ausnahme des Cinemaxx am Dammtor, nur mäßig ausgelastet, man muss meist nicht lange anstehen oder sich durchs Gedränge schieben. Wenn wirklich mal alle Säle voll wären, würden allein wegen der Zuführung über eine schmale Rolltreppe entsetzliche Staus entstehen.
In den unteren Stockwerken des "Othmarschen Park Centers" herrscht teilweise schon jahrelang Leerstand, nur eine Bowlingbahn, ein Billiardsalon und Systemgastronomie harren aus. Über eine Fußgängerbrücke ist ein Parkhaus angeschlossen, das genauso groß wie der Kinobau wirkt. Kaum vorstellbar, dass die Investionskosten für den ganzen Komplex auch nur ansatzweise je wieder reingekommen sind.
Ein Kinobesuch fühlt sich hier in etwa an wie Essengehen bei McDonald´s.



Eine Googleabfrage, die letzte Woche jemanden aus Werl auf diese Seiten führte: "massaker im multiplex".


Kommentare:

  1. Zu "Oscar": das Louis de Funes in der Hauptrolle nicht zu ersetzen ist bleibt unbestritten und das Original ist auch heute immer noch eine meiner Lieblingskomödien. Der gewählte You-Tube-Ausschnitt vereint gekonnt zwei meiner Lieblingsszenen des Films, die mich immer noch wiehernd unterm Tisch zurücklassen.

    Aaaaaber: auch das 1991 gedrehte Remake von John Landis mit Sylvester Stallone (!!!) in der Hauptrolle ist einen Hingucker wert und schaft es zumindest teilweise den Witz und das Tempo der Vorlage zu reproduzieren. Verantwortlich sind hierfür eher weniger die darstellerischen Fähigkeiten von Stallone (der sich in Comedy-Rollen noch nie sonderlich gut machte - siehe hierzu "Stop, oder meine Mami schiesst"), sondern mehr das gekonnt konstruierte Script, die aufs Timing achtende Inszenierung und eine hohe Anzahl von fähigen Nebendarstellern wie Don Ameche, Peter Riegert, Kurtwood Smith, Tim Curry, Chezz Palminteri und Ornella Muti (nicht zu vergessen Kirk Douglas in einer Gastrolle) die Stallone gekonnt die Bälle zuspielen. Läuft ab und zu auf Super RTL ist aber auch günstig als DVD zu erstehen.

    Ach ja: Alles Gute für 2009 und auch weiterhin viel Spaß beim Filme entdecken!

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  2. Dank für die Wünsche und den Hinweis. War mir völlig unbekannt, das Remake. Ein gutes Jahr 2009 wünsche ich auch dir. Und allen anderen Lesern ebenso!

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  3. Ich weiß ja nicht, ob das extra einen Kommentar wert ist, aber ich möchte einfach kurz Danke sagen. Ich schau immer wieder gerne rein und habe hier schon so einige nützliche Informationen bekommen. Seit ich Kinder habe, komme ich selbst kaum noch dazu, in Sachen Kino einigermaßen auf dem Laufenden zu bleiben und scheitere meist schon daran, zumindest sehenswerte Filme im Fernsehen mitzubekommen. Schön, dass mir hier jemand viel Arbeit abnimmt. Alles Gute für 2009 und bitte weiter so!

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  4. Na,solch ein Lob ist doch auf jeden Fall einen Kommentar wert, danke.

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